My big fat greek internship

Das Weblog einer frisch diplomierten jungen Online-Journalistin auf ihrem ersten "Auslandseinsatz" als Praktikantin auf der griechischen Insel Chios. Eigentlich für Mama, Papa, Schwester, aber natürlich auch für Freunde, Blogger, Menschen :o)

Freitag, September 29, 2006

Die wichtigsten News in Kürze

Wir haben Fernsehen!
Juchu! Nach dreiwöchiger TV-Abstinenz meinerseits (ich guck ja eh nie Fernsehen, weil da gewisse Personen entweder nonstop Bloomberg oder Tatort schauen wollen) hat Mihalys unsere Glotze zum laufen gebracht. Im Junkroom stehen nämlich sage und schreibe zwei davon, eine große und eine kleine, aber nur die kleine funktioniert. Na immerhin! Und da es hier ja - ich muss es leider zugeben - mittlerweile mehr regnet als dass die Sonne scheint, können Ila und ich den ein oder anderen beschaulichen Abend damit verbringen, das griechische TV soziologisch zu analysieren. Zum Beispiel stellen wir uns die Frage: Warum sind alle griechischen Frauen blond? Wenn der OV-Blockbuster mal wieder gerade eine Werbeunterbrechung hat, ziehen wir uns den türkischen Musiksender rein. Und fragen uns: Warum sind alle türkischen Frauen blond?
Zwischendurch werfe ich immer einen kritischen Blick auf die tote Kakerlake unter dem Sofa – hat sie sich nicht eben doch bewegt? Ilaria hat sich schließlich erbarmt und sie zwar nicht weggefegt, aber immerhin einen Stuhl so davor gerückt, dass das Stuhlbein den Kadaver verdeckt. Denn was man nicht sieht, ist auch nicht da!

Wir hatten einen Hund!
Und das kam so: Mitten in unserer gemütlichen Fernsehsession klingelt es an der Tür. Da ich ja mit Halsweh bettlägerig war, öffnete Ilaria. Ich hörte einen Mann französisch reden und dann kam Ilaria auch schon wieder und sagte: "Miriam, we have a dog!" Dimitris` Vater hatte uns den Collie seines Sohnes überlassen, der für ein Meeting auf einer Insel weilte. Da hat ihn der Hund aka Houdini (weil er immer von überall verschwindet) so vermisst, dass er zum alten Haus seines Herrchens gelaufen ist. Wir geben ihm Wasser und Cracker, schauen mit ihm ein bißchen griechisches TV (weil die gewohnten Worte den Hund meiner Meinung nach mehr beruhigen als unser Englisch, Deutsch, Italienisch) und sperren ihn schließlich aus, damit Kostas ihn abholen kann. Am nächsten Morgen stand Houdini allerdings wieder vor unserer Haustür und am Morgen darauf auch. Und das alles, weil wir so lieb zu ihm waren!

Wir lernen griechische Heilmethoden!
Wie gesagt, unsere Kollegen sind ja immer sehr besorgt um uns. Als ich mich einmal verspannt hatte, fragte Mihalys: "You have a hair-dryer at home?" Ja, klar habe ich einen Fön! "You put a towel on your shoulder and use the hair-dryer...." Also, ich sollte meinen Schmerz mit der Wärme wegföhnen. Hab ich zwar nicht gemacht, aber danke für den Tipp! Als Ilaria Bauchweh hatte, meinte er: "You have a hair-dryer?" Ihr könnt euch schon denken, was folgte... Wundert mich eigentlich, dass er mir nicht bei meinem Halsweh dazu geraten hat, ein Handtuch um meinen Hals zu legen und... Nein, da wurde die arme kranke Miriam lieber daheim angerufen und ein gewisser Tasos meldete sich zu Wort. Er sei schon wieder zurück in Saloniki, ob man sich aber nicht noch mal auf Chios treffen wolle? Oh scheiße, ging es mir durch den Kopf, wie hat der nur meine Nummer bekommen? Er hat doch wohl nicht etwa bei meinen Kollegen angerufen und gefragt, wie peinlich... Im Fieberwahn kam ich also auf die abstrusesten Ideen, bis der Anrufer sagte: "It`s me, Mihalys, hahahaha...." Aaaahhh, very funny... Ob ich eine Flasche Tequila wolle, um mich auszukurieren? Nein danke. Lieber ein Handtuch.
And you know what you do when you`re tired of translating 2.000 words every day? You put a towel on your PC screen and take the hair-dryer...

Dienstag, September 26, 2006

Unser neuer Mitarbeiter



Nachdem ich es ja schon mit Kakerlaken und Vögeln (einer saß neulich in unserem Bad) aufgenommen habe, wollte ich euch mein neuestes Insekt nicht vorenthalten. Es hockte ganz friedlich auf Dimitris Schulter. Wir haben die Gottesanbeterin dann aber auf der Fensterbank ausgesetzt, wo sie ganz professionell für mich posierte, um danach auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Montag, September 25, 2006

Buon cuompleannos!

Ein beliebtes Spiel von Ilaria und mir lautet: "You will die!" Ausgelöst wurde das eigentlich von unseren fürsorglichen Kollegen, die uns davor warnten, die Uferstraße zum Bella Vista Beach zu überqueren, ohne schön nach links und dann nach rechts und dann noch mal nach links geschaut zu haben. Schließlich sind hier dieses Jahr schon zwei Menschen ums Leben gekommen (wobei ich mich frage, ob dass nicht die verrückten Albaner waren, die hier Tag und Nacht Amstel trinken).

Also haben wir die Gefahrenliste beliebig weitergeführt: "You will die" - wenn man nach dem Essen duscht, seine Klamotten auf dem Bügelbrett ohne Schutzbezug bügelt oder die Kakerlaken mal wieder damit drohen, uns bei lebendigem Leib zu verspeisen.

Aber niemand wusste, wie nahe wir mit unserem Geschwätz an den Tatsachen lagen...

Rückblende
Freitag war Ilarias 24. Geburtstag und das musste natürlich gefeiert werden! Also nix wie rein in die Röhrenjeans, den goldenen Gürtel umgeschnallt und ab in die Satva Bar. Dort stoßen wir erstmal mit einem Gin Tonic an. Doch wer steht da hinter uns? Richtig, Watermelon guy! "You know, watermelon guy is like a cockroach: not dangerous, but disgusting" Ob wir mit seinen Freunden feiern wollen? Nein, nein, nein! Warum weiß der Junge nicht, wenns an der Zeit ist, aufzugeben? Also schnell den Drink gekippt und ab ins Remezzo. Dort werden wir "Ausländer" von allen ausgiebig angeglotzt, so dass wir uns lieber ins Metropolis verabschieden, bevor wir noch mehr Irre am Hals haben.

Dort treffen wir unseren Kollegen Kostas jr. (aka Micro Kosti). Ich wollte ja ursprünglich, dass er um Mitternacht für uns "Happy Birthday" spielt und eine mit Kerzen geschmückte Pizza serviert, aber Ilaria hat mich dann doch davon abgehalten. Außerdem hat er mich angeschaut als ob ich nicht mehr ganz sauber wäre. Ich unterhalte mich noch ein bißchen mit ihm, seinem Kollegen Nikos und dem Besitzer des Metropolis. Dabei merke ich garnicht, wie Ila immer betrunkener wird. Nachdem mich noch ein Typ aus Saloniki besonders originell anquatscht ("My name ist Tasos – T A S O S. So, when you need, help, you just call me!" Ah, SOS, veeeeeeeeeeerrryy funny..) will ich mich lieber wieder Ila zuwenden, die mittlerweile an Dimitris hängt, weil sie alleine nicht stehen kann. Wie ist denn das passiert? Netterweise bringt Dimitris und heim und wir schreien im Chor: "Dimitris, we love you! You saved us from the cockroach!" Worauf er nur erwidert: "You know, this is not in the contract of the traineeship!"

Am Samstag hat Ilaria dann eine halbe Alkoholvergiftung und wir beschließen, mit unserem "You will die"- Gelaber aufzuhören.

Donnerstag, September 21, 2006

Aaaaaaaaaah, Regen!



Eines Morgens, ich liege noch sanft in meinen Träumen, als ich auf einmal draußen den Regen rauschen höre. Regen? Ja, bin ich denn hier in Deutschland? Das gibts doch nicht! Mit einem Satz springe ich aus dem Bett, um die Wäsche zu retten, die draußen auf dem Balkon hängt. Was für eine Aufregung.

Mit dem Regen ist auch das typisch griechische Straßenleben erstorben. Keine hupenden Roller, keine Griechen mit Sonnenbrille und ohne Helm auf dem Motorrad, keine Kamakis, die während der Fahrt mit der einen Hand ihre Freunde grüßen, in der anderen ihren "φραπε to go" halten und dabei noch auf dem Handy telefonieren. Nein, heute ist hier nur Stille. Und das Rauschen des Regens.

Stimmt es etwa tatsächlich, was Dimitris uns verkündet hat, dass nämlich der Sommer endgültig vorbei sei ("Now, it is winter. Privé Club is closed"). Nachdem wir eine Regenpause genutzt haben, umzur Arbeit zu laufen, regnet es im Laufe des Tages immer heftiger. Es blitzt und donnert und dann haben wir den üblichen Stromausfall. Mihalys ist so nett, uns nach Hause zu fahren.

Aber nach zwei Tagen Regen scheint heute schon wieder die Sonne.

Aaaaaaaaaah, the ship!
Ich liebe es. Jeden Abend sitzen wir bei unserem Dinner (entweder Pasta oder Fleisch, Ilaria und ich kochen abwechselnd. Jetzt ratet mal, wer was zubereitet :o) und dann trägt der ägäische Wind das Nebelhorn der Fähren bis hinauf in unsere Wohnung. Ich bin von den großen Schiffen ja total fasziniert und rufe jedesmal "Aaaaaaaaaah, the ship!" aus. Natürlich kann niemand meine Faszination teilen, aber dann habe ich sie halt für mich alleine, die Ships. So.

Aaaaaaaaaah, die griechische Sprache!
Macht mich total verrückt. Besonders, als ich in Kostas Büro war, um Suchmaschinenoptimierung (ein herrliches Wort) zu betreiben und Mihalys hereinkam. Ernst und aufgebracht legte er los: "Turu turu turu cazze turu turu turu!" und ich musste voll anfangen zu lachen, weil "cazze" auf italienisch ja ******* heisst. Oh, lachen war hier ja garnicht angebracht, aber ich hörte Ilaria noch aus dem anderen Zimmer prusten. Auf griechisch heißt es übrigens soviel wie "Nimm Platz!"

Aaaaaaaaaah, Italy, beautiful country!
Das kriegt Ilaria immer zu hören, wenn sie sagt, woher sie kommt. Und wann heißt es mal "Aaaaaaaaaah, Germany, beautiful country"? Wahrscheinlich nie. Seufz.

Montag, September 18, 2006

Shopping



Bestimmt stellt ihr euch die Frage, was ich mache, wenn ich nicht gerade auf der Bar tanze und dabei Tequila äh, Wasser trinke? Ja, genau: Shopping.
Frisch ausgeschlafen nutzten Ilaria und ich den Samstag vormittag, um uns ein bißchen nach Klamotten umzuschauen. Die Griechen sind schließlich sehr trendy und mit einer italienischen Mitbewohnerin bekomme ich die Modeexpertin frei Haus geliefert.

Für die Herren hier sehr angesagt sind – neben den obligatorischen gestreiften Shirts – orange Hemden, weil ja alle so unglaublich braun sind und darin noch "bräuner" wirken. Ich habe sogar meinem Boss Dimitris (aka Micio) davon erzählt und heute trägt er tatsächlich auch ein oranges T-Shirt! Sonst bevorzugt er das lachsfarbene, aber es geschehen ja noch Zeichen und Wunder!

Und was trägt die Griechin? Neben dem obligatorischen "Sehr-sexy-Style" mit Shorts oder Miniröcken gemischt mit orientalischem Gold- und Silberglitter, der mich schon meinen goldenen Stilettos in Deutschland nachtrauern lässt – die hätten so gut hierher gepasst – natürlich die unvermeidlichen Röhrenjeans. Also habe ich mich auf die Jagd nach diesem guten Stück begeben. Und siehe da, in unserem Lieblingsshop werden wir tatsächlich fündig! Was mich ein bißchen beschämt, ist, dass mir die Hose in XL prima passt und ich sie auch über meine Fußballerwaden streifen kann. XL – Hallo? Daheim trage ich 38! Aber wahrscheinlich ist das einfach nur eine Vorsorge gegen Modeverbrechen, so dass die "stärkeren" Damen sich nicht in Jeans von diesem Schnitt quetschen können.

Den kleinen Anhänger an der Jeans wollte ich eigentlich zum Schlüsselanhänger umfunktionieren, aber vielleicht ist es nicht so gut, wenn mir das XL laufend vor Augen geführt wird...

Die Rückkehr der Kakerlake
Eines Abends wieder daheim, schließe ich die Hautür hinter mir und entdecke – die Kakerlake! Iiiiiiiiiiiieeeeeeeeeehhhhh! Ich schreie – im wahrsten Sinne des Wortes – erstmal tierisch los und Ilaria erschreckt sich. Dann gibt sie mir den Besen und ich fege unser Haustier wieder hinaus. Wir rätseln, ob es wohl die aus meinem Zimmer sein könnte. "But then I slept in one room with a cockroach!" "No. But, actually, yes!"
Am nächsten Tag entdeckt Ila bei einer Putzaktion eine tote Kakerlake unter der Waschmaschine. Auch die wird weggefegt und entsorgt. Töten darf ich sie ja nicht und irgendwie könnte ich das arme Vieh auch nicht um die Ecke bringen.

Watermelonguy strikes back
Egal, wo du hingehst, er ist schon da. So fühlten wir uns jedenfalls. Wir schlendern am Dienstag abend ahnungslos die Hafenpromenade entlang, er grüßt uns mit "Hey, how are you?" (Bestimmt extra für uns gelernt). Wir gehen am Mittwoch aus – er steht an der Bar und ruft auf Ilas Handy an. Wir flehen Dimitris an, sich so vor uns zu stellen, dass er uns nicht sehen kann – vergeblich. Dimitris findets unglaublich witzig und will uns mit Watermelon alleine lassen. Natürlich laufen wir ihm auch noch Donnerstag und Freitag über den Weg uns sehen sogar seinen Pickup vorm Supermarkt – lauter Wassermelonen auf der Ladefläche. Wenn ich jetzt daran denke, dass unsere Salatgurken von ihm kommen, bäh.... Samstag abend können wir uns glücklicherweise durch eine exzellent ausgearbeitete Taktik vor ihm verstecken. Doch er ist irgendwo da draußen...

Freitag, September 15, 2006

Politik auf Griechisch



Ich will hier ja nicht nur über mein ausschweifendes Nachtleben schrieben. Nicht, dass alle denken, ich würde pausenlos feiern. Am Ende wird mir noch mein Leonardo-Stipendium entzogen.... Nein, heute lernen wir richtig was. Die geneigten Leser erfahren etwas über den Beweis dafür, in Griechenland zu sein, und natürlich auch über diesen (wie ich finde) überaus attraktiven Herren dort oben.

Auf Chios finden ja bald Wahlen statt. Eines Tages – wir fuhren gerade vom Mavra Volia Beach zurück – tuckerte vor uns eine Art Mini-VW-Bus rum. Nun ist das Tuckern hier ja nichts außergewöhnliches, meist sind nur 30 km erlaubt und die Griechen halten sich fast immer daran. Dieser Wagen hatte aber auch mehrere Lautsprecher und man hörte den Beifahrer durchs Megaphon lautstark auf griechisch etwas skandieren.

Was war da los?
Mein Boss Kostas (von uns jetzt auch "Makro Kostas" genannt, was, wie ihr erahnen könnt, "groß" heißt.... he, oder wie wärs mit Mega Kostas? Na gut, ich schweife ab....), also, er sagte: "This ist the proof that you’re in Greece". Dann erzählte er, dass die Fahrer Wahlpropaganda für einen Politiker betreiben, was aber verboten ist. Offiziell. "And now they’re crossing the police station!" Darauf wurde der Bus mit Blaulicht gejagt – nein, weit gefehlt, gegen etwas Bakschisch (ja, es gibt nur ein türkisches Wort dafür – da waren die Griechen sehr clever) passiert natürlich nichts.

Mein Favorit
Dank der anstehenden Wahlen ist auch das lokale Anzeigenblättchen voll mit Wahlplakaten. Da ich ja nicht genug griechisch verstehe, um das Programm der einzelnen Kandidaten lesen zu können, bewerte ich sie nach ihrer Attraktivität. Meinen persönlichen Favoriten seht ihr da oben. Und das ist – Ioannis. Er kommt fast jeden Tag ins Büro, und während sein Charm an Ilaria einfach abprallt ("You know, there are a lot of men like this in Milan"), bin ich ihm total erlegen. Wie mir meine Kollegen erzählten, ist sein Aussehen auch sein wichtigstes Kapital, wenn es um die Wahlen geht. Ich finde, die Rechnung könnte aufgehen.

Montag, September 11, 2006

Το Σαββατικο



Ist griechisch für Wochenende. Es sollte alles ganz normal beginnen, aber dann...

Freitag abend. Ila und ich beschließen, auszugehen und nachher vielleicht nochmal im Prive Club vorbeizuschauen. In unserer Lieblings-Shishabar "Safta" stehen wir an der Bar und hören unseren lokalen Lieblingsrapsong: "Kalimera ellada". Es ist vor allem unser Lieblingslied, weil wir das Wort "Kalimera" verstehen. Die Barkeeper tanzen und geben uns den ersten Shot aus. Dann treffen wir einen Freund von Mihalys, einem unserer Kollegen, der ebenfalls Mihalys heißt. Da er aber ziemlich groß und korpulent ist, nennen wir ihn "Big Mihalys". Überhaupt ist das mit Namen hier so eine Sache. Es scheint nur vier männliche Vornamen zu geben: Dimitris, Kostas, Mihalys und Ioannis. Dimitris Freund heißt auch Dimitris, dann gibt es Kostas the Boss (unser Chef), Kostas jr. (Kollege), Big Kostas (Freund von Dimtris) und New Kostas (Tauchlehrer), Ioannis (der Politiker – ihm widme ich ein eigenes Kapitel) und Silent Ioannis, Freund von Big Mihalys, der nicht mit uns geredet hat.

Wie dem auch sei, Big Mihalys fragt, ob wir schon mal nachts im Meer gebadet haben, was wir verneinen. Jetzt bekommen wir irgendwie Angst, dass die beiden mit uns ein nächtliches Skinny-dipping planen. Das geht natürlich garnicht!
Ilas "Criminal plan" ist, zu erzählen, dass wir uns noch mit Kostats jr. treffen, der in der In-Bar "Metropolis" arbeitet. Sehr gut! Zeit, ins Bett zu gehen. Doch es sollte alles ganz anders kommen....

Yamas!
Kurz darauf ruft Mihalys an und fragt, ob wir ins Metropol kommen wollen. Wieso nicht? Und jetzt nimmt das Unheil seinen Lauf. Kostas jr. gibt uns alle Getränke aus, so dass ich schließlich auf der Bar tanze und Ilaria fürsorglich den Ratschlag gebe: "If you dont want to drink, you dont have to! I can drink it!" Um halb fünf fahren wir schließlich ins Prive und feiern dort bis halb sieben. Einer geht es aber noch schlechter als mir, Miki aus Berlin, deren Vater aus Chios kommt. Sie tanzt betrunken auf der Straße und will partout nicht heim: "I have a lot of fun with myself!" Nun gut. Kalinichta.

Exkurs: Kamakis and the Watermelon-Guy
Und schon wieder ein weiteres wichtiges griechisches Wort neben Malaka gelernt: Kamaki heißt wörtlich übersetzt Harpune, steht aber für "the greek art of flirting" und entspricht etwa dem Gigolo.

Und was hat das jetzt mit dem Watermelon-Guy zu tun? Ja, dieser Kamaki hat mich seit geraumer Zeit zumindest mit Blicken verfolgt und uns am Strand von Karfas angequatscht. Leider (oder zu unserem Glück) kann er kaum Englisch, so dass wir ihn fragten: "What do you do for living?" und er antwortete: "Eeehhh.... Watermelon....I..Peperoni...Cucumber?" wobei er letzteres eher wie "Kukumberrrr" aussprach. So, ist er jetzt Gemüsehändler oder wollte er uns sagen, das seine Haare so rot sind wie die einer Wassermelone? (Ja, ich habe irgendwann mal gesagt, dass ich rote Haare mag, aber nicht DIESEN Typen! Warum gibt es überhaupt Griechen mit roten Haaren? Warum wollen sie mich kennen lernen?)
Daneben beherrscht er natürlich auch noch das Wort "beautiful". Also, der Strand von Karfas – Beautiful, wir – Beautiful, unsere Bikins – Beautiful, usw. Was wir davon halten, erst "blue" (schwimmen), dann "coffee"? Und dann natürlich: "You have boyfriend?" "Yes, in Germany." "You want boyfriend for Chios?" "No!"

Freitag, September 08, 2006

Keyboards, Kiesel und Kakerlaken



Meine erste Arbeitswoche ist schon fast rum. Meine Kollegen sind sehr nett und kümmern sich immer um uns. So wird uns hier nie langweilig!
Aber der Reihe nach. Am Mittwoch war ich mit meinem Chef Kostas, seiner Freundin und deren Freundin am Strand von Mavra Volia schwimmen. Der Name bedeutet auf griechisch "schwarze Steine", weil er eben aus diesen besteht. Das Wasser dort ist klar und es geht ziemlich tief runter. Aber es ist traumhaft und ich konnte mich dort herrlich treiben lassen und "Toter Mann" spielen. Anschließend versprach Kostas, dass wir mal in einen Pub gehen, um Würstchen zu essen und Bier zu trinken: "But no matter which beer Dimitris takes, you have to say that Kostas has the right beer because Germans know about beer!" OK, I will remember :o) Außerdem kennt er die Namen aller deutschen Zeitungen wie "Frankfurter Allgemeine" und Magazine wie "Stern" und "Spiegel".

Unheimliche Begegnung der dritten Art
Als ich vom Schwimmen heimkam und wieder ahnungslos in mein Zimmer ging, sah ich plötzlich, wie etwas auf meinem Kalender saß und sich bewegte. Ich bekam einen Schock, sprang auf mein Bett und schrie auf deutsch: "Iiiiih, eine Kakerlake!" Erst wollte ich das Viech mit meinem Flipflop töten, besann mich dann aber eines besseren und floh aus dem Zimmer zu Illaria, die durch mein Geschrei angelockt bereits in der Tür stand.

Ich schloss selbige und wir diskutierten, was zu tun war. Ila beschloss, die "Scarafaggio" wegzusaugen. Als ich einwand, dass sie im Staubsauger überleben und sich vermehren könnte, drückte sie mir einen Besen in die Hand und sagte: "Okay, then you have to kill it!"
Todesmutig betrat ich mein Zimmer, aber die Kakerlake war und blieb verschwunden. Wahrscheinlich habe ich sie durch meinen marterialischen Schrei zu Tode geängstigt...
Jetzt haben wir erstmal groß Gift und Anti-Insekten-Düfte eingekauft, so dass mir nix mehr passieren kann.

Ικονα
Das Bild zeigt mein "German Keyboard", dass ich mit meinen Stickern etwas costumized habe. Muss ja schließlich wissen, wo meine Äs, Ös und Üs bleiben ... Ich arbeite hier übrigens an topmodernen Flachbildschirmen!

PS: Auf vielfältigen Wunsch habe ich die Einstellungen jetzt so geändert, dass auch unregistrierte User die Beiträge kommentieren können :o)

Montag, September 04, 2006

Willkommen auf Chios!


Ein Wochenende auf Chios und schon ist unendlich viel passiert... Wo soll ich anfangen? Vielleicht so:

1. Akt: Der Flug
Ich hasse fliegen. Das nur vorab. Fuer mich war es also ueberhaupt nicht toll, auf der Anzeigetafel im Frankfurter Flughafen zu lesen, dass ich eine Zwischenlandung in Thessalonik haben wuerde, bevor es nach Athen weitergeht. Andere Leute wuerden jetzt begeistert aufschreien: Juchu, drei Starts! Auch der von der Dame am Schalter gut gemeinte Satz "Ich habe einen Fensterplatz fuer Sie" beantwortete ich mit: "Ich brauch nicht unbedingt einen Fensterplatz", worauf sie mich etwas irritiert ansah, weil ich ihr sicher gut gemeintes Angebot zurueckwies.

Unter Traenen habe ich mich dann von meinem Hasen verabschiedet und, kaum an Gate B2 angekommen, meine Flugangstpillen herausgekramt. Der Arzt sagte mir, ich koennte ohne Probleme fuenf Tabletten nehmen, also ging ich auf Nummer sicher und warf erstmal sechs Stueck ein.

Die Folge davon war, dass ich zwar kaum mehr Flugangst hatte, aber so muede wurde, dass ich in Athen Angst hatte, die Augen zuzumachen: Der beruechtigte Sekundenschlaf koennte bei mir eher zum Stundenschlaf werden.

Zwischenspiel: Reparatur auf Griechisch
So, dachte ich bei mir, einmal noch abheben und das wars fuer heute! Mit etwas Verspaetung brachte uns der Bus aufs Rollfeld, wo eine Alena ATR auf uns wartete. Immerhin war ich ja schon mal mit einem Propellerflugzeug geflogen, das sogar noch kleiner war als dieses! Also kann mich ja eigentlich nix mehr schocken. Ich nahm also Platz in der ersten Reihe und schaute mich ein bisschen um. Die Maschine scheinte noch aus Onassis Zeiten zu stammen, denn ploetzlich sah ich Licht an meinem rechten Fuss. Sonnenlicht! Oh mein Gott, die Kabine hat ein Loch, dachte ich bei mir! Stoisch beauegte ich es. Gut, ich wusste ja, das ich sterben muss. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie mein Sitz auf 5000 Fuss Hoehe aus der Maschine brach und ich fuer immer im aegaeischen Meer versank... Ein Schlag riss mich aus meinen Gedanken, zack, der Mechaniker hatte das Loch auf seine Weise repariert und wir waren Ready for take-off!

2. Akt: Philoxenia
Auch wenn ich nicht viel griechisch kann, wurde ich mit viel Gastfreundlichkeit (Philoxenia) aufgenommen. Am Flughafen wartete das Empfangskommitee bestehend aus Dimitris, einem meiner Chefs, Mihaly und Ilaria, meinen neuen Kollegen. Dann gings erstmal essen am Hafen und ich konnte alle Koestlichkeiten probieren. Dank der Ueberdosis Beruhigungstabletten drehte sich vor meinen Augen aber bald alles und muede ging ich ins Bett in unserem – jetzt kommt der Knaller – eigenen Haus! Na gut, ist nur ne Fuenf-Zimmer-Wohnung. Mit Waschmaschine, Herd und gestern auch Toepfen und einem vollen Kuehlschrank (Warum wohl haben sie uns nur Light-Produkte gekauft? Ilaria und ich raetseln weiter...) Dimitris musste uns am Samstagnachmittag noch auf der Insel rumkutschieren und an den Strand bringen (Kambos Beach, s. Foto), obwohl er abends noch auf einer Hochzeit eingeladen war. Danach war er wieder fuer die Abendgestaltung zustaendig und wir waren mit ihm und anderen Kollegen in einer der Bars am Hafen. Als morgens um vier das Schiff nach Lesbos ablegte, war es auch fuer uns an der Zeit, heimzugehen. Den Sonntag haben wir groesstenteils im Bett verbracht :o)

3. Akt: Strange people
Die Hitliste der seltsamen Menschen, die hier leben:
Platz 1: Der Mann am Strand, der Ilaria und mich eine Viertelstunde auf griechisch zugetextet hat, obwohl wir sagten, dass wir kein Wort verstehen.
Platz 2: Der Mann auf dem Rad, der seinen Ghettoblaster am Ohr hat, die Promenade auf und ab faehrt und lautstark griechische Lieder mitsingt. Wahrscheinlich hat der Arme kein tiefergelegtes Auto, will aber beim abendlichen Zurschaustellen nicht fehlen.
Platz 3: Der Jogger ohne Schuhe, der die Hafenstrasse entlang laeuft.

To be continued...