My big fat greek internship

Das Weblog einer frisch diplomierten jungen Online-Journalistin auf ihrem ersten "Auslandseinsatz" als Praktikantin auf der griechischen Insel Chios. Eigentlich für Mama, Papa, Schwester, aber natürlich auch für Freunde, Blogger, Menschen :o)

Dienstag, Oktober 31, 2006

Weblog, das

Ein Weblog ist eigentlich ein Instrument zur Echtzeitverbreitung von individuellen Nachrichten unter einem subjektiven Standpunkt. Mein Weblog scheint aber immer mehr zur Zeitung zu verkommen, denn a) unterliegen meine Nachrichten einer freiwilligen Selbstzensur, seit ich rausgefunden habe, dass auch mein Chef mitliest und b) berichte ich doch fast immer von Sachen, die schon gelaufen sind.

So auch heute. Wer denkt, in Griechenland sei immer eitel Sonnenschein, der liegt falsch. Schließlich ist das hier die Ägäis und nicht die Karibik. Ja, leider. Und auch, wenn ich mir vorgenommen habe, immer nur bei strahlend blauem Himmel Fotos zu machen, um diese Illusion aufrecht zu erhalten, lässt sich das jetzt wohl nicht mehr durchhalten.
Da wir nahe der See wohnen, ändert sich das Wetter täglich. Während ich mich am Sonntag noch sonnen konnte (und die Nachbarn mir merkwürdige Blicke á la „These stupid blond tourists“ zuwarfen), goss es am Montag wie aus Kübeln.

Aber im Büro waren wir ja sicher vor dem Regen. Dachten wir. Bis es anfing, von der Decke zu tropfen. Während Dimitris also nach einem Mop suchte, versuchten wir, den Strom Brackwasser, der sich da mittlerweile ergoss, mit unseren Plastikbeuteln zu stoppen und alle elektronischen Geräte in Bodennähe in Sicherheit zu bringen. Klatschnass kam unser Boss wieder zurück und wischte das Wasser weg. Ila gewann dem ganzen immerhin noch etwas Positives ab: „Wenigstens ist es hier jetzt schön sauber!“

Montag, Oktober 30, 2006

Ochi-Day




Rückblende: Freitag
Juchu, ein kulturelles Ereignis rollt auf Chios zu: Der Ochi-Day! Der Tag, an dem der griechische Diktator Metaxas Nein zur italienischen Besatzung unter Moussolini sagte! Wobei Ochi griechisch für Nein ist, was mich zunächst etwas irritierte, weil Ochi-Day eben phonetisch der Orchidee doch sehr ähnelt! Aber nach einigen Irrungen und Wirrungen planen wir, uns die Parade am Samstag nicht entgehen zu lassen.
Es ist Ochi-Day und wir sind mittendrin statt nur dabei!

Halt. Wenn das tatsächlich so gewesen wäre, wäre es ja langweilig, oder? Freitag wollte ich ja nicht mal ausgehen. Wirklich jetzt. Aber dann kam unser Kollege Kosti, lächelte uns an und sagte mit einer unnachahmlichen Handbewegung: "Tonight Metropolis?"
Wir taten so, als hätten wir ihn überhört. Als er seine Bitte dann aber noch dreimal wiederholte, gaben wir auf, streckten die Waffen (na gut, ich schon nach dem 2. Mal, Ila ist da hartnäckiger) und versprachen, mal vorbeizuschauen.

Der criminal plan war, nur bis drei auszugehen. Bis Mitternacht wollen wir also nai sagen, danach aber nur noch ochi! Dann heim und schlafen, um der Parade um 12 beiwohnen zu können. Doch schon, als uns der Barkeeper im Remezzo ungefragt das zweite Bier brachte und meinte, das sei von ihm für uns, beschlich uns ein vages Gefühl von "No parade tomorrow!"

Und als dann auch noch Mihalis Freunde, die beiden Dimitris(es) mit uns ihren Nameday nachfeierten und mit einem seltsamen Gemisch aus Wodka, Tequila und Rum anstießen, konnten wir alle Hoffnungen fahren lassen, tanzten wieder mal eine Nacht Sirtaki und ich wurde wiederholt für eine Polin gehalten.

Natürlich gabs auch hier wieder preisgekrönte Dialoge, die sich zwischen mir und einem der Dimitrisse entsponnen:
Er: "Where are you from?"
Ich: "Germany!"
Er: "Really? Beautiful country! (Endlich hats mal jemand erfasst!) With beautiful tourists!"
Ich: "Have you ever been there?"
Er: "I live on Chios!"
Äh, ja… Ich muss ihn wohl etwas seltsam angeschaut haben, denn er hat gemerkt, dass das nicht die Antwort war, die ich hören wollte. Nun ja.

Getoppt wurde dieses Meisterwerk der Kommunikation nur noch durch eine elektronische Kurzmitteilung, die eine gewisse Mitbewohnerin an ihren Lieblingskellner schickte:

"Do you want to go to the parade tomorrow or prefer celebrating with me NOW?"

So war am Samstag erstmal schlafen angesagt. Aber zum Glück gibts ja Carina, die uns mit Bildern vom Ochi-Day versorgte.

Freitag, Oktober 27, 2006

Weise Worte

We laugh at death and buy kilos of medicines in the chemist’s shop...
We love loneliness and don’t let the cell phone from our hands...
We think that we are absolutely tranquil and smoke another cigarette...
We shock people and dread of saying "I love You"...
We don’t believe in love and cry each night in the pillow...
We live just for today and make plans for tomorrow...
We are quite self-critical and love just ourselves...
We forgive our inaccuracy and underhand flout ones that are making mistakes...
We don’t believe in ideal people and each day search for our ideal in the flock...
We always say what we think and almost forget how to sincerely smile...
We want people to accept us the way we are and linger long hours in the mirror...
We always obtain what we want and dread of being useless...

From a female in her 20s in Kisinau, Yahoo! Time capsule

Mittwoch, Oktober 25, 2006

Philoxenia Pt. II



Dass die Griechen sehr gastfreundlich sind, habe ich ja schon anfangs erwähnt. Diese Tatsache spiegelt sich auch im alltäglichen Leben wieder. So gibts natürlich zu jedem Getränk ungefragt ein Glas Wasser und Kekse. Aber auch die nette Verkäuferin in der Bäckerei erkennt uns und packt mittlerweile ungefragt die von uns gewöhnlich gewünschten Backwaren ein (Na gut, nachdem sie uns bei den ersten drei Besuchen jedes Mal aufs Neue gefragt hat, woher wir kommen). Und auch in dem Laden, in dem ich für gewöhnlich mein Wasser hole, bevor ich zur Arbeit gehe, werde ich mittlerweile mit "Good morning!" begrüßt.

Neues aus dem Ouzopolis
Dank unserem Arbeitskollegen Kostas jr. (siehe oben) konnten wir auch in unserer Lieblingsbar Metropolis zahlreiche soziale Kontakte schließen. Neben den Kellnern Nikos und Padelis ist auch der DJ Adonis unser Freund und legt für Ilaria schon mal das ein oder andere italienische Lied auf. Neu in der Reihe ist der Barkeeper, der – drei mal dürft ihr raten – ebenfalls Kostas heißt. Er beeindruckte mich mit seinen Kenntnissen über Deutschland. Neben Eintracht-Spieler Amanatidis kennt er nämlich auch Angela Merkel. Und ich weiß nicht mal den Namen des griechischen Präsidenten, was für eine Schande!

Das hier die Uhren doch etwas anders gehen und die Nähe zur Türkei spürbar ist, beweist folgendes Erlebnis. In meiner Abwesenheit klagte der arme Nikos Ilaria sein Leid: "You know, your friend (also ich) is a very nice person. Very good girl. Very beautiful. But: She talks to other man!" Dass er selber eine Freundin in Athen hat, ist natürlich unerheblich.

Spot the difference!



In diesem Bild haben wir einen Fehler versteckt. Findet ihr ihn?

Dienstag, Oktober 24, 2006

More décolleté!



So lautet unser Schlachtruf, wenn wir abends weggehen! Und einige Männer erfüllen uns ja auch den Wunsch, auf ihre behaarte (oder unbehaarte) Brust und die dazugehörige Kette mit dem Kreuz (oder auch nicht) zu blicken. Halt, das war ja gar nicht unser Wunsch, das wird uns hier einfach aufgezwungen! Wir können gar nichts dagegen tun. Haben nicht mal danach gefragt. Und nein, es gefällt nicht einmal. Logische Konsequenz von soviel nackter Haut: Ein Décolleté-Contest in unserem Club. Das wird ein Spaß! Mein persönlicher Spitzenreiter ist ja immer noch Tasos, dicht gefolgt von einem Sylvester-Stallone-Abklatsch im engen orangen T-Shirt.
Und wenn man abends dann noch zuviel Videos auf dem türkischen Musiksender KRAL guckt, ist der Tag gerettet...

Montag, Oktober 23, 2006

Schuhkauf auf Griechisch

Nachdem ich mit ja schon Leggings und Stretchjeans zugelegt habe dürfen die passenden Schuhe nicht fehlen! In meinem Fall habe ich mich in ein paar braune Stiefel im 80er-Jahre-Style verliebt, die mir eines morgens in der Aplotaria (Einkaufsmeile von Chios) ins Auge gefallen sind. Leider war der Preis nicht ausgezeichnet.
Freitag abend sollte es endlich so weit sein: Die Schuhe sollten in meinen Besitz übergehen! Sicherheitshalber arbeiteten Ilaria und ich einen todsicheren Plan aus, damit wir nicht als Touristen übers Ohr gehauen werden. Sie wollte sich als Griechin ausgeben und ich sollte ihre ausländische Freundin darstellen. So überlegten wir uns im Vorfeld bereits Sätze wie "Poso kostisi?" um nach dem Preis zu fragen. Meine Schuhgröße 40/41 vergaßen wir natürlich auch nicht: "Saranda/Sarandaena". Clever, clever...

Nachdem wir uns mit Carina getroffen hatten gings los. Im Geschäft lief alles nach Plan: Ich deutete auf die Schuhe und fragte nach meiner Größe. Mitleidig guckten mich die Verkäufer an. Nein, in dieser Größe seien die Schuhe nicht auf Lager. Als sich dann Carina noch nach Größe 43 erkundigte, begegneten uns die Griechen mit einem kaum versteckten Lachen. Sie dachten wohl, dass wir uns einen Scherz erlauben wollten und demnächst auf die versteckte Kamera deuteten... Doch als sie merkten, dass es uns ernst war, wurden Carina diverse Schuhmodelle angeboten. Dass sie braun und nicht schwarz wollte, wurde ignoriert. Schließlich muss man in der Größe ja nehmen, was kommt. Trotzdem waren die Schuhe noch zu klein.
Na gut, weiter in die nächsten Geschäfte. Dort wurde ich – erneut unter mitleidigen Blicken der Verkäufer – fündig und kann jetzt meine geliebten Stiefel mein Eigen nennen.

Heute morgen spazierte ich wieder an dem Geschäft in der Aplotaria entlang. Jetzt prangt an meinen Stiefeln ein Schild: "Shooz 55 Euro!" Warum sie damit 10 Euro teurer als in dem anderen Laden sind, weiß ich nicht. War meine Nachfrage etwa der Grund für die Preiserhöhung? Vielleicht wittern die Griechen ja jetzt das ganz große Geschäft...

Freitag, Oktober 20, 2006

Völkerverständigung



Sehr geehrte Damen und Herren,

willkommen bei meinem kleinen Vortrag über interkulturelle Kommunikation! Im Folgenden will ich auf die Schwierigkeiten eingehen, die sich einstellen, wenn man in ein fremdes Land reist und die Sprache nicht spricht. Diese Problematik möchte ich gerne an dem Beispiel Griechenland erläutern, weil ich aus persönlichen Erfahrungen am besten darauf eingehen kann.

So, jetzt aber genug geschwafelt und Butter bei die Fische!

Date mit Hindernissen
Manchmal klappt die Völkerverständigung nicht so, wie man will. Vor allem, wenns um ein Date geht. Nein, natürlich nicht um meins, sondern um Ilarias. Obwohl sämtliche Formen der elektronischen Kommunikation genutzt worden sind, zieht sich die Vereinbarung eines persönlichen Treffens in die Länge...
Neben SMS hat Ilaria technisch on top natürlich auch die virtuelle Kommunikationsform mit dem bei ihr sehr beliebten Einheimischen ausprobiert: MSN Chat.
Leider beschränkte sich die Unterhaltung aufgrund mangelnder Englischkenntnisse seinerseits (von Italienisch wollen wir garnicht sprechen, obwohl: hier sei nur das grammatikalisch unkorrekte Boungiorno erwähnt) und nahezu gänzlich fehlender Neugriechischkenntnisse ihrerseits auf den Austausch von Emoticons. Da der nette Grieche Padelis heißt, benannten wir die Smileys bald in Padelicons oder Emodelis um.
Was mich auf die Idee brachte, spezielle individualisierte Emodelis zu zeichnen, wie ihr oben seht. Costumized sozusagen. Vielleicht war es ja doch falsch, Journalismus zu studieren und ich sollte mich demnächst eher auf komische Kunst verlegen...

Mittwoch, Oktober 18, 2006

Mord in Rodgau oder wie attraktiv bin ich?

Heute bin ich zu erschüttert, um etwas über Griechenland zu schreiben. Nein, es liegt nicht an meiner Attraktivität. Auch nicht daran, dass Vicky Leandros gewählt wurde. Sondern an dieser Schlagzeile:

Altenheim: Frau für Sitzplatz in den Tod geschubst

Neugierig klickte ich darauf, und im folgenden musste ich lesen, dass sich das in meiner Heimatstadt abgespielt hat! Nicht zu glauben. Da ist man mal vier Monate nicht daheim, und schon passiert sowas. Liebe Eltern, ich verspreche Euch hoch und heilig, Euch niemals in die Seniorenresidenz abzuschieben :o)

Dann habe ich heute noch getestet, wieviel ich denn auf dem heutigen Sklavenmarkt wert wäre:

I am worth $2,052,750 on HumanForSale.com

Montag, Oktober 16, 2006

Mezedes (μεζέδες)



Ist griechisch für Appetithäppchen. Und genau das will ich heute liefern. Denn irgendwie ist zuviel passiert, um nur von einer Sache zu berichten, aber zu wenig, um sich auf einen Aspekt zu konzentrieren.
Guten Appetit!

1. Gang: Ψαρικά (Fisch)
Folgender Dialog entspann sich zwischen mir und einem Studenten der Wirtschaftswissenschaften, der vorgab, Ioannis zu heißen, aber wie Moritz Bleibtreu aussah.

Er: "You can stay and work here in Chios!"
Ich (denkend: Ich weiß nicht, warum die alle wollen, dass ich hierbleibe), sagend:
"Yes, I can go fishing with the Greeks!"
Er: "What?"
Ich "Fishing!"
Er: "I don`t understand!"
Ich: "You know, the sea, fish, fishing?"
Er: "Ahhh..."
Und das gab wohlgemerkt ein Student von sich, der nächstes Jahr sein Studium abschließt, tsts...

2. Gang: Τυριά (Käse)
Und weiter gehts mit Zukunftsplänen: Falls es mit dem Onlinejournalismus nicht klappt, steige ich ganz groß ins Pharmaziegeschäft ein. Jawohl! Ich werde demnächst mit Aspirin dealen! Eine Packung kostet hier nämlich nur 50 Cent. Nicht zu fassen. Habe vor, die Packung für 2,50 zu verkaufen. Vielleicht mach ich euch nen Freundschaftspreis, wenn ihr lieb seid....

Aber der eigentliche Traum von Ilaria und mir ist, im alten Kino "Rex" an der Hafenpromenade einen Club einzurichten. Bei den Kellnern dachten wir an Padelis und Nikos vom Metropolis, die Tür kontrolliert Big Tasos, Mihalis und ich tanzen auf der Bar und im Remezzo konnten wir Adonis auf eigenen Wunsch als unseren DJ gewinnen (Was zu der Frage führt: Warum heißen eigentlich alle DJs Adonis und sehen nicht so aus?). Einmal im Monat gibts dann auch ne echt deutsche Schuhplatterlereinlage, die übrigens in ihrer Erscheinungsform nicht so sehr vom Sirtaki abweicht.

3. Gang: Κρεατικά / Αλλαντικά (Fleisch und Wurst)
Ja, ich konnte mich dem Trend nicht wiedersetzen und habe mir ein paar schwarze Leggings (diesmal passte Größe S/M) zugelegt. Fotos gibts auf flickr zu bewundern.

4. Gang: Σαλάτες (Salat)
Die Gemeindewahlen in ganz Griechenland sind seit letztem Sonntag voll im Gange. Die Bilder zeigen Ilas und meinen Favoriten. Die Wahlzettel werden übrigens hier im Büro ausgezählt und elektronisch eingespeist. Dafür arbeitet Dimitris Tag und Nacht... Ich durfte auch schon ein paar Zahlen durchgeben. Da haben wir den Salat! Bin mal gespannt, wer das Rennen macht. PS: Bin natürlich völlig unparteiisch...

Donnerstag, Oktober 12, 2006

Mittagspäuschen

Klein-Miri hat es endlich hinbekommen, nach immerhin 15 Blogeinträgen zu raffen, wo man hier das Titelfeld angezeigt bekommt. Besser spät als nie! Die alten Einträge kann ich aber nicht umstellen, weil dann der Link verloren geht... Bevor ich hier aber die ersten Leser mit meinen langweiligen technischen Ausführungen vergraule und zum Ausstieg aus dem Text zwinge, berichte ich lieber von der

Cockroach-Safari
Halb zwei nachts. Mit tapsigen Schritten verlasse ich das Bad. Schemenhaft sehe ich das dunkle Steinmuster unseres Fußbodens. Ich öffne meine Zimmertür. Als ich sie schließen will, sehe ich auf dem Parkett etwas dunkelbraunes. Vielleicht nur eine Unregelmäßigkeit im Holz, sage ich mir. Ein dunkles Mal von einem Ast. Um mich meiner Semi-Blindheit zu berauben, setze ich meine Brille auf und betrachte den Fleck genauer. "Oh no....But why?" murmele ich leise vor mich hin, um anschließend Ilaria zu rufen, die kurz zuvor der Nachtruhe zusprechen wollte.
Ila ergreift den Besen und tötet einmal mehr – die Kakerlake. Leider so unglücklich, dass sie unter die Leiste gequetscht wird und ich sie da wieder mit einer Schere herausholen, ja, nennen wir es ruhig "operieren", muss. Zum Glück ist der Leichnam einigermaßen heil geblieben. Dann schnell die Kakerlake weggefegt und mit der Schaufel vom Balkon auf den benachbarten Granatapfelbaum geworfen.

Furcht und Angst erfüllen mich. Warum, mein Gott, hast du mich verlassen? Ok, das wird langsam blasphemisch... Jedenfalls hat Ila ein Einsehen mit mir und ich darf die Nacht in ihrem Bett schlafen, wo ich ihr im Schlaf natürlich erst einmal die Decke klaue.

Melde gehorsamst: Operation Kakerlake completed. Bis zum nächsten Mal...

Mittwoch, Oktober 11, 2006

Lost in translation

Ich will euch ja nicht vorenthalten, was ich hier so ab und an für Kuriositäten übersetze. Seid ihr bereit? Auf los gehts los!

Da wäre zum Beispiel das Kloster der Aghioi Anargyroi:

"In past years many people, particularly those with mental problems, came to the monastery to draw on the healing energies of the miraculous saints in whose name the chapel was built."

Mental problems? Vielleicht sollte ich da auch mal hin…

Dann habe ich heute noch die schöne Sage der Aghia Marcella übersetzt. Auszug gefällig?

"Driven mad, her father discovered her hiding place in the thick brush and set fire to it. As she ran from him along the seashore, he followed close behind, shooting arrows until one wounded her. She fell, praying desperately that the rock underneath her would open up and save her from a worse fate. The earth suddenly split and pulled her down, to her waist. Her father reached her, cut off both her breasts, then decapitated her and tossed her head into the sea."

Bäh! Diese archaischen Griechen! Von wegen "vor schlimmeren Schicksal bewahren", nach dieser Sage geht schlimmer immer!

Aber Ilarias und mein Favorit ist immer noch der hier:

"In the cave, there is an inscription inside which A. Stefanos read as: "I, the righteous man in desperate sorrow set fire to myself". What it is astonishing is that there is a similar inscription, having the same content and in the same lettering, at four different points of the region, exactly aligned in the west-east orientation, as if the suicide wished to record his act for posterity."

Und der mutmaßliche Selbstmörder lacht sich noch heute ins Fäustchen, wenn er an seinen Streich denkt, der für die Nachwelt festgehalten werden sollte. Was er ja immerhin geschafft hat. Mich erinnerts eher an Klowandkritzeleien (Wobei mir wieder einfällt, dass ein gewisser Herr einer Hamburger Werbeagentur sich mal so geäußert hat, dass Blogs die Klowände des Internets seien). Bestimmt hätten Ila und ich mit dem "mysteriösen" Einsiedler eine Menge Spaß gehabt. Das ist einer von uns. Mittlerweile ist "I, the righteous man..." zu einem geflügelten Wort im Büro geworden und wird auch von unseren Kollegen benutzt.

Dienstag, Oktober 10, 2006

Politik auf griechisch PT. II

Sonntag morgen, 11 Uhr. Ilaria und ich haben gerade so ausgeschlafen, als es plötzlich an der Tür klingelt. Wer das wohl sein mag? Ich erhebe mich von meinem Frühstückstisch und gucke durch den Spion: Niemand zu sehen. Natürlich öffne trotzdem die Tür, ich bin ja kein Unmensch. Zu meinen Füßen finde ich ein Prospekt des (wie wir später erfuhren) amtierenden chiotischen Bürgermeisters. Ila und ich hingegen waren uns einig: Wer arme Touristen Sonntag morgens aus dem Bett klingelt, verdient es nicht, wiedergewählt zu werden!

Gestern abend klingelte dann das Telefon. Am Apparat war doch tatsächlich ein Kandidat, der wollte, das wir ihn wählen. Können wir als Ausländer ja aber nicht. Mann, ich bin froh, wenn endlich der 15. Oktober rum ist und wir unsere Ruhe haben, da ist nämlich Wahltag!

Da fällt mir glatt noch die Wahlparty letzten Freitag im Metropolis ein, die hier in unserer beliebten Reihe "Politik auf griechisch" natürlich nicht vergessen werden darf. Sie wurde sozusagen von den Jusos von Chios ausgerichtet (ΠΟΚΑΖ genannt). Wir dachten natürlich, das sei eine Band. Nun ja... Jedenfalls lernte ich eins der Mitglieder, einen Freund von Mihalis, kennen und legte ihm gleich meinen politischen Plan dar: Ilaria und ich wollen nämlich die Insel übernehmen, indem wir Griechen heiraten und Mischlingskinder bekommen! Worauf mich der Typ fragte, ob ich denn nicht ein Pilotprojekt mit ihm starten wolle? Aber immer doch, ich will ja der Völkerverständigung nicht im Wege stehen...

Montag, Oktober 09, 2006

Man spricht deutsch!



Nun aber zu den seriöseren Dingen! Am Wochenende haben Carina und ich die Chance genutzt, nochmal am Strand in Karfas schwimmen zu gehen. Wie ist eigentlich das Wetter in Deutschland? Hahaha.... Ja, fies, genug gelacht...

Carina ist übrigens die zweite Deutsche im Team und verstärkt mich hier. So saßen wir ahnungslos am Strand und unterhielten uns auf deutsch, weil das ja eh niemand versteht – falsch gedacht! Der Grieche neben uns fragte uns erstmal, was zwei deutsche Mädels im Oktober auf Chios machen, und zwar im fehlerfreien deutsch! Als wir antworteten, dass wir hier arbeiten, verlor er aber das Interesse an uns... Bedeutet es doch, dass wir länger als eine Woche hier sind.

Überhaupt bin ich hier zu dem Schluß gekommen, dass die Griechen ein unheimliches Temperament an den Tag legen und sogar mir Angst machen! So wird einem hier nicht nur unmißverständlich zugezwinkert oder signalisiert, dass derjenige unsere Unterwäsche sieht, nein, dem ein oder anderen entweicht neben dem "γεια σοu!" auch ein animalisches "Harrrrr!"

Lifestyle of the rich and the famous
Am Samstag flanierten unzählige aufgestylte Griechinnen am Hafen entlang. Und das alles nur für diesen Mann: Kostas Sommer! Er ist hier der Star einer Seifenoper und wir waren so mit die einzigen, die kein Foto mit ihm wollten.

Später wurde mir mal wieder im Metropolis die griechische Tanzkunst näher gebracht, als der Kellner und mein Kollege vor mir knieten, klatschten und meinten, ich sollte jetzt für sie Sirtaki tanzen. Mann, war das peinlich! Der Abend endete damit, dass Kellner und Barkeeper auf der Bar tanzten und sich gegenseitig ihre Hemden auszogen...

Sonntag abend war dann Ruhe angesagt. Die meisten Griechen sitzen am Hafen, trinken ihren Frappe und spielen eine griechische Variante von Backgammon. Im anschließenden abendlichen Spaziergang wählten wir noch Ilarias Brautkleid aus, besichtigten die Festung von Chios und sahen einmal mehr – the ship!
Hallo Barbie, was gibt’s Neues?
Oder: Die chinesische Tropfenfolter




Preisfrage: Warum sind Ilaria und ich am Abdrehen?
Antwort: Weil unser Wasserhahn am Aufdrehen ist!
Dank eines beschädigten Dichtungsrings quält uns unser Wasserhahn mit der chinesischen Tropfenfolter. Ihr wisst schon, nach tausend Wassertropfen auf die Stirn wird man angeblich irre... Tropfte der Wasserhahn anfangs noch zurückhaltend, hat er sich mittlerweile enorm gesteigert und circa eine Milliarde mal getropft. Entsprechend verrückt sind wir nun. Das beweist auch die einzigartige Methode, mit der wir das Geräusch nachts stoppen...

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Fouri dal tunnel



Yeah... Ila und ich leben einfach schon ein bißchen zu lange zusammen, um noch normal zu sein... Das beweist auch unser neues Lieblingslied von Caparezza!

Mittwoch, Oktober 04, 2006

Griechische Gepflogenheiten



Liebe Leser: Ich weiß, ihr wartet schon seit Montag auf die neuesten Stories vom Wochenende, den Tanz auf der Bar, das Nacktbaden nach dem Ausgehen um 8 Uhr morgens... Aber ich muss euch enttäuschen. Das Wochenende war Business as usual ("Miriam, stop talking to strangers or we will tie you to the bar!") und daher will ich lieber mal ein bißchen von der griechischen Kultur erzählen.

1. Der Geburtstag ist unwichtig
Ja, die Griechen scheren sich nicht um den Geburtstag! Denn was hier wirklich zählt, ist der Namenstag. Das haben wir nicht nur an Ilas Geburtstag verfolgen können, als ihr mit einem Klopfen auf die Schulter wenig enthusiastisch ein "Happy Birthday" zugeflüstert wurde, dass eher den Klang von "Mein Beileid" hatte. Und auch zum Geburtstag unseres Chefs Kostas, dem wir eine wunderschöne Ikone (vom Trashladen für drei Euro) mit der dazugehörigen von uns eigens kreirten Geschichte von "Agios Kostas" schenkten, bekamen wir das zu spüren. Kostas jr sollte nämlich das Dokument ausdrucken. "It is for his birthday!" "Oh, when is his birthday?" "Today!" "Oooh..."

Genau so, wie Ostern wichtiger ist als Weihnachten ist der Namenstag die Krönung im Jahr jedes Griechen. So brachte uns der Kollege aus dem Büro nebenan zu seinem Namenstag zahlreiche Kekse. Kein Wunder, wenn sein Handy schon "Candyshop" als Klingelton hat. Das griechische Backerk ist nach traditioneller Art sehr, sehr süß. Nicht mal ich esse es gerne, und das will schon was heißen. Ilas und mein Favorit ist der "Killercookie". Er besteht außen aus Schokolade, innen aus Schokobiscuit mit Nutella. Und er tötet dich. Wir schätzen ihn auf ca. 1.500 Kalorien. Vielleicht sind diese Kekse ja der Grund dafür, dass hier die Männer immer auf Diät sind?
PS: Mein Bild zeigt nicht den Killercookie, sondern einfach nur ein paar schöne Kekse... Ihr wisst, ich bin süchtig danach!

2. Griechische Bräuche
Eine weitere Episode der beliebten Serie "Unsere tierischen Mitbewohner". Wieder einmal öffnen wir die Haustür. Mit uns tritt ein: der kleine "Lizzard". Nachdem die Kakerlaken scheinbar vernichtend geschlagen wurden (entweder von Dimitris Spezialgift oder von meinem Haarspray, das ist nicht ganz geklärt), muss ich die kleine Eidechse einfangen, was nicht ganz leicht ist. Denn a) sie ist sehr schnell und b) sie ist wegen ihrer fast durchsichtigen Haut schwer zu erkennen. Während Ilaria daneben steht und "Kill it, kill it!" ruft, bringe ich das natürlich nicht übers Herz, weil das Reptil einfach so glyka (süß) ist. Ich verfrachte sie auf einem Tempo nach draußen. Als wir Dimitris davon erzählen, meint er: "The lizzard means good luck for the house!" Yeah... Heißt das, es wird endlich zum Date von Ilaria mit Padelis kommen? Wir werden sehen...

3. Der griechische Humor
Und zum Abschluß ein griechischer Witz. Hier heißt es nicht "Der Frühling kommt", sondern: "Spring is entering – so I put a flower in your ass." Ah ja... Diese Griechen... "You know, in Greek it is really funny!"