
Jetzt aber genug Trübsal geblasen! Dieses Wochenende haben Carina und ich endlich, endlich ein Auto gemietet und die ganze Insel erkundet.
Im SüdenGanz anders als der Norden, heißt es. Im Süden ist Chios eher flach. Hier liegen die Mastixdörfer (dieses eklige Baumharz, das Touristen als Süßigkeit verkauft wird) Olympi, Mesta und Pyrgi. Auf dem Weg dahin gings für uns aber erstmal an der Küste entlang und wir klapperten alle Strände nochmal ab. Da wäre zum einen Karfas, das wir ja schon zur genüge kennen und das den schönsten und wahrscheinlich auch einzigen reinen Sandstrand der Insel vorzuweisen hat. Von hier aus gings nach Komi, wo ich ja zu Angeginn meines Praktikums mal schwimmen war. Ach, wurd ich da melancholisch! Mittlerweile hat auch hier der Winter Einzug gehalten, die Cafés sind geschlossen und alles schaut ein wenig verlassen und trostlos aus. Bei gefühlten 22 Grad laufen dann aber doch zwei ältere Griechen ("Die sind bestimmt schwul!") in Badehose den Strand entlang.
Mavra Volia
Der auch Emporios genannte Strand ist berühmt für seine schwarzen Kiesel, die vulkanischen Ursprungs sind. Ich kann nur sagen: Traumhaft! Wenn die Kiesel nicht so an den Füßen weh tun würden... Das Wasser ist kristallklar und tief, man kann hier herrlich schwimmen. Dieser Strand ist der Geheimtipp der Griechen (würd ich jetzt mal behaupten). Alle, die ich kennen gelernt habe, schwärmen davon. Ok, vielleicht nicht Geheimtipp, aber Griechentipp.
Willkommen im Reich der Xysta!
Dann kämpften wir uns mit unserem knallgrünen KIA piccanto seltsame unbetonierte Straßen entlang, dass der nasse Kiesel nur so spritzte. Auf einmal wurde er aber merkwürdig eben. Also fuhren wir Superschlauen natürlich darauf herum und zerstörten – ups! – das Werk eines Bauarbeiters, der das mit seiner Walze alles schön planiert hatte. Naja, kann ja mal passieren, oder? Dann erreichten wir endlich Pyrgi! Das Auto wurde auf einem Parkplatz inmitten von vor sich hin rottenden alten Pick-ups abgestellt. Ein Esel trieb sich dort herum. Dann tauchten wir ein in die engen Gassen des mittelalterlichen Dörfchens. Der modrige Geruch feuchter Mauern umgab uns. Wir wanderten unter gemauerten Torbögen entlang, die Gässchen schienen ins Nichts zu führen, sich dann aber doch immer in weitere Verzweigungen aufzuspalten. Schließlich kamen wir auf dem Dorfplatz an, der von den traditionellen Häusern umstanden wurde. Diese Häuser sind in der speziellen Kratzputztechnik verziert, so dass sich auf ihren Außenmauern zahlreiche aufwendige in den Putz eingravierte Muster finden.
Hier war es also, das ursprüngliche Griechenland, in dessen Kafeneions nur Männer saßen, alte bucklige Frauen in schwarzen Gewändern Besorgungen erledigten und Tomaten und Pepperoni mit ihrem Rot einen interessanten Kontrast zu den schwarz-weißen Häuserwänden bildeten.
Das wir natürlich die Attraktion des Tages waren, versteht sich von selbst.
Mittelalter in Mesta
Grau und karg wirkt Mesta von außen. Fast wie eine Festung. Und genau das war es auch: Eine Festung gegen Angriffe feindlicher Piraten oder sonstiger Freibeuter aller Nationalitäten, die die Insel wegen ihres Mastixreichtums heimsuchten. So sind in Mesta Schilder angebracht, die den Eingang und Ausgang aus dem Festungslabyrinth des Dorfes weisen, in das man sich wie einst der Theseus verirrt. Teilweise geht es durch Mauertunnel entlang bis zum Dorfplatz, auf dem eine prachtvolle Kirche steht und wo sich einige Kafeneions angesiedelt haben. Sogar die Telefonyelle ist aus Stein, wie man sehen kann! Immerhin haben wir hier auch ein paar junge Leute gesehen. Die Alten saßen um einen in einem Trog brennenden Baumstamm herum und unterhielten sich. Die kleinen Fenster und Türchen der Häuser trugen ebenfalls zur Festungsatmosphäre bei. Trotz allem mittealterlichem Flair hat aber auch hier die Neuzeit Einzug gehalten: Der einstige Wachturm ist jetzt bewohnt. Auf seinem Dach findet sich eine Satellitenschüssel. Denn wenn man so von der Welt abgeschieden ist, braucht man wenigstens TV!
Und wie sieht jetzt der Norden aus? Davon berichte ich morgen!