My big fat greek internship

Das Weblog einer frisch diplomierten jungen Online-Journalistin auf ihrem ersten "Auslandseinsatz" als Praktikantin auf der griechischen Insel Chios. Eigentlich für Mama, Papa, Schwester, aber natürlich auch für Freunde, Blogger, Menschen :o)

Donnerstag, November 30, 2006

Das stille Örtchen

Zugegeben, die Toilette hier im Büro zählt nicht zu unseren Lieblingsaufenthaltsorten (welch herrlich langes deutsches Wort!). Vor allem, wenn man die Tür abschließt und sich in jäher Gefängenschaft wiederfindet, da der Schlüssel sich zwar beliebig nach links, aber nicht wieder nach rechts drehen lässt. Und wenn einem das Ganze an einem Freitag nachmittag viertel nach drei, also eine dreiviertel Stunde vor Wochenende passiert, fühlt sich das ziemlich - um hier im Bild zu bleiben – scheiße an. Aber nun lässt sich die Tür zum (Un-)Glück garnicht mehr abschließen. So muss man immer schön gucken, ob da nicht etwa das Licht brennt, was besetzt heißt. Aber da die Toilette, wie gesagt, eh nicht der Lieblingsaufent.... ihr wisst schon was ist, gabs da noch keine Gefahr.

Aber das könnte sich schnell ändern. Denn heute ist der Tag, an dem das stille Örtchen gemütlich wurde! Hieß es vorher noch "Bring your own", dass heißt, ein Tempo war mein ständiger Begleiter, hatte ich letzte Woche Klopapier gespendet.
Und was sehen meine entzündeten Augen heute?
Mehr Klopapier, vierlagig, mit rosa Federchen bedruckt! Das nenne ich doch schon mal Fortschritt, meine Freunde!

Dienstag, November 28, 2006

Episoden eines Lebens, Samstagnacht


I
Gleißendes Licht blendet meine Augen. Die 1.000 Watt-Lampe des FIX-Club, die aus gut vier Dutzend zusammengesetzten Glühbirnen besteht, leuchtet für den Bruchteil einer Sekunde auf. Ich bin blind, fasziniert von diesem Feuerball, und obwohl es besser so wäre, kann ich meine Augen nicht von seinem Glanze wenden. Während sich mein Sehpurpur langsam wieder herstellt, nimmt die Welt um mich herum erneut ihre alte und doch neue Gestalt an.

Um mich herum erkenne ich die Könige der Nacht und ihr Gefolge. Die Vibrationen der Bassbox vor mir verwandeln sich in Klangwellen, die mühelos meinen Körper durchdringen und durch meine Gehörgänge in mein Gehirn wandern. Unaufhörlich rufen sie den Neuronen zu, tanz, tanz, tanz! Doch diesmal ignoriere ich ihr Flehen. Ich wende meinen Blick von den Menschen ab, meine Augen suchen einen Ruhepol in diesem emsigen Treiben schwitzender Körper und glänzender Haare, bis ich schließlich durch die riesigen Fenster auf den Hafen schaue. Hier verweilt mein Blick auf dem Meer, dessen ewiger Gleichklang meinen Augenstern mit dem Zuckerguss visueller Vorhersehung überzieht.

Hinter der trägen, schwappenden, teerfarbigen Masse sehe ich die glitzernden Lichter der türkischen Küste und versinke in das Traumbild tausendundeiner Nacht.

II
Der Kellner fragt mich auf griechisch, was ich trinken möchte. So antworte ich: Ena bira! Er: ? Ich: Beer!
Warum er dann doch mit Whiskey on the rocks zu mir kommt, versteh ich nicht ganz.

III
@Metropolis: Bye Paris, I have to go now, tomorrow I work!
@FIX Club packt mich ein Schraubstockgriff an meinem Arm, ich drehe mich herum und blicke in Paris Gesicht. Sein Mund formt die Worte: You lied to me! Now I will kill you!, er grinst dabei, aber das kann ich ihm nicht ganz abnehmen.

IV
Nikos lässt uns gehen, ohne unser Geld anzunehmen. Zu Carina sagt er: "You know, your friend is very nice, very good girl. But a little crazy!" Nein, ich doch nicht, nie!

Anmerkung:
Ich merke gerade, dass es statt "ena bira" "mia bira" hätte heißen müssen. Aber ein oder eine Bier, so groß ist der Unterschied doch nicht, oder?

Freitag, November 24, 2006

Cast away


Über was schreibt man, wenn nichts, aber wirklich garnichts besonderes passiert ist? Diese Frage braucht man einem Blogger nicht zu stellen, denn irgendwas findet sich immer. So schwirrten mir auch einige intelligente Themen wie Kommentare zu Mario M., die Medieninszenierung und über die Macht der Medien ein. Dann wollte ich ein interkulturelles Essay über das Deutschenbild der Deutschen – Identifikation mit der eigenen Nation? mit dem Titel "Die Deutschen, das sind die anderen" schreiben.
Letztendlich hab ich mich dann aber doch für leichtverdauliche Kost entschieden, die da lautet: "Cast away". Und das kam so:

Eines Abends im Junkroom habe ich mir den gleichnamigen Film mit Tom Hanks angeschaut. Für diejenigen, die ihn noch nicht kennen sollten: Der arme Tom Hanks stürzt nach Weihnachten mit dem FedEx-Flugzeug ab und landet irgendwo auf einer gottverlassenen Insel, wo er merkt, dass die Zivilisation zwar toll ist, ein Mensch allein sie aber nicht verkörpern geschweige denn die Mittel auf diese Insel findet, um sie zu leben.

Folgendes Szenario entspann sich in meinem Kopf: In genau einem Monat werde ich wieder in Deutschland sein und Weihnachten mit meiner Familie feiern. Doch werde ich das? Was ist, wenn das Flugzeug abstürzt und es mich an den Strand einer gottverlassenen griechischen Mini-Insel spült? Daher habe ich genau beobachtet, wie ich im Falle des Falles Feuer machen muss und mir eine Hütte baue. Ich sehe mich schon Tauwasser trinken und wie ich mir in meiner Verzweiflung den Culo!-Remix vorsinge.

Bis dahin lebe ich von der Schokolade und der Leberwurst, die mir aufmerksame Gutmenschen geschickt haben und werde in einer Woche das erste Türchen meines kleinen Weihnachtskalenders öffnen.

Dienstag, November 21, 2006

Der Norden


Sonntag morgen machten wir uns auf, den Norden zu erkunden. Unsere Route führte uns zunächst landeinwärts über Karyes nach Nea Moni, das berühmteste Kloster von Chios. Leider wird es gerade renoviert, aber wir wollten trotzdem mal einen Blick drauf werfen. So sahen wir immerhin eine kleine Kapelle, in der die Gebeine der Opfer des Massakers von 1822 liegen – damals überfielen die Türken die Insel und töteten fast alle Einwohner von Chios.

Weiter ging es an der Küste entlang, wo wir die "Vigles" genannten Wachtürme genauer unter die Lupe nahmen. Immerhin drei davon wurden mit EU-Geldern wieder aufgebaut. Die Vigles verteilen sich über die komplette Küste von Chios und waren Teil eines Warnsystems gegen die Piraten. Sah ein Wächter feindliche Schiffe, gab er sofort Rauch- oder Lichtsignale, die vom nächsten Turm aus gesehen und weitergeleitet wurden.

Ziegen und Esel


Unsere Fahrt in den hügeligen Norden wurde begleitet von Griechen, die auf ihren Eseln reiten, oder durch uns entgegenkommende Ziegenherden kurzzeitig unterbrochen. Die Dörfchen klammern sich hier richtig in die Felsen, je stärker, je mehr man nach Norden kommt. Hier befindet sich auch der Pelinneon, der mit 3.000 m höchste Berg der Insel und Sitz der Götter.

Für uns gings aber erstmal nach Volissos. Das kleine Dorf liegt ein Stück weit von der Küste entfernt. Wir parkten unser Auto am höchsten Punkt und liefen ins Dorf hinunter. Ich kam mir mittlerweile schon selber wie eine Bergziege vor! Am Dorfplatz fanden wir ein Kafeneion und einen Supermarkt, äh, Tante-Emma-Laden, der uns mit Blätterteigteilchen versorgte (damit wir auch schön fett werden). Zwei Wägelchen fuhren herum, deren Fahrer über Megafon ihre Teppiche oder sonstwas anpriesen. Immerhin hat ein Pope dann auch zugeschlagen und sich eine Bodenbedeckung unter den Nagel gerissen.

Auf Leben und Tod


Dann fuhren wir durch Volissos wieder die Küste entlang, um neben dem kleinen Dörfchen Limenas mit seinen Tavernen weiter zum Kloster von Aghia Markella zu fahren (ihr wisst schon, die mit dem lecherous father....) Hier warfen wir einen Blick in die Kapelle und beobachteten die Griechen bei ihren orthodoxen Ritualen.


Ein abenteuerlicher Feldweg führte uns schließlich wieder weiter nördlich in kleinste Berdörfer und ein sensationeller Shortcut über Stock und Stein brachte uns fast noch in Lebensgefahr. Mittlerweile wars stockduster und zu einer Seite gings ganz schön bergab – nur noch getoppt von unserem nächtlichen Strandbesuch in Kampia. Grusel, grusel! Aber sowohl wir als auch das Auto kamen wohlbehalten wieder auf einer Teerstraße – wenn auch ohne Mittelstreifen – heraus. Den Ausflug nach Kardamyla bei Nacht strichen wir aus unserem Programm. So langsam gings wieder in die Zivilisation, das Schild nach Chios wies 30 km aus und so fuhren wir über Vrontados. Zwischen Chios und uns lagen jetzt nur noch mehrere 340-Grad-Kurven. Das Gestein hangabwärts wurde übrigens mit Flutlicht orange und grün angestrahlt, was man auch von Chios-Stadt mit Blick nach Norden noch sehr schön sehen kann. Lustigerweise dudelte im Radio türkische Musik und die türkische Willkommens-SMS wurde gleich mal abgespeichert. Wie dem auch sei, nach 13 km halsbrecherischer Schotterstraße waren wir froh, wieder wohlbehalten daheim angekommen zu sein.

Montag, November 20, 2006

Tour de Force


Jetzt aber genug Trübsal geblasen! Dieses Wochenende haben Carina und ich endlich, endlich ein Auto gemietet und die ganze Insel erkundet.

Im Süden
Ganz anders als der Norden, heißt es. Im Süden ist Chios eher flach. Hier liegen die Mastixdörfer (dieses eklige Baumharz, das Touristen als Süßigkeit verkauft wird) Olympi, Mesta und Pyrgi. Auf dem Weg dahin gings für uns aber erstmal an der Küste entlang und wir klapperten alle Strände nochmal ab. Da wäre zum einen Karfas, das wir ja schon zur genüge kennen und das den schönsten und wahrscheinlich auch einzigen reinen Sandstrand der Insel vorzuweisen hat. Von hier aus gings nach Komi, wo ich ja zu Angeginn meines Praktikums mal schwimmen war. Ach, wurd ich da melancholisch! Mittlerweile hat auch hier der Winter Einzug gehalten, die Cafés sind geschlossen und alles schaut ein wenig verlassen und trostlos aus. Bei gefühlten 22 Grad laufen dann aber doch zwei ältere Griechen ("Die sind bestimmt schwul!") in Badehose den Strand entlang.

Mavra Volia


Der auch Emporios genannte Strand ist berühmt für seine schwarzen Kiesel, die vulkanischen Ursprungs sind. Ich kann nur sagen: Traumhaft! Wenn die Kiesel nicht so an den Füßen weh tun würden... Das Wasser ist kristallklar und tief, man kann hier herrlich schwimmen. Dieser Strand ist der Geheimtipp der Griechen (würd ich jetzt mal behaupten). Alle, die ich kennen gelernt habe, schwärmen davon. Ok, vielleicht nicht Geheimtipp, aber Griechentipp.

Willkommen im Reich der Xysta!


Dann kämpften wir uns mit unserem knallgrünen KIA piccanto seltsame unbetonierte Straßen entlang, dass der nasse Kiesel nur so spritzte. Auf einmal wurde er aber merkwürdig eben. Also fuhren wir Superschlauen natürlich darauf herum und zerstörten – ups! – das Werk eines Bauarbeiters, der das mit seiner Walze alles schön planiert hatte. Naja, kann ja mal passieren, oder? Dann erreichten wir endlich Pyrgi! Das Auto wurde auf einem Parkplatz inmitten von vor sich hin rottenden alten Pick-ups abgestellt. Ein Esel trieb sich dort herum. Dann tauchten wir ein in die engen Gassen des mittelalterlichen Dörfchens. Der modrige Geruch feuchter Mauern umgab uns. Wir wanderten unter gemauerten Torbögen entlang, die Gässchen schienen ins Nichts zu führen, sich dann aber doch immer in weitere Verzweigungen aufzuspalten. Schließlich kamen wir auf dem Dorfplatz an, der von den traditionellen Häusern umstanden wurde. Diese Häuser sind in der speziellen Kratzputztechnik verziert, so dass sich auf ihren Außenmauern zahlreiche aufwendige in den Putz eingravierte Muster finden.
Hier war es also, das ursprüngliche Griechenland, in dessen Kafeneions nur Männer saßen, alte bucklige Frauen in schwarzen Gewändern Besorgungen erledigten und Tomaten und Pepperoni mit ihrem Rot einen interessanten Kontrast zu den schwarz-weißen Häuserwänden bildeten.
Das wir natürlich die Attraktion des Tages waren, versteht sich von selbst.

Mittelalter in Mesta


Grau und karg wirkt Mesta von außen. Fast wie eine Festung. Und genau das war es auch: Eine Festung gegen Angriffe feindlicher Piraten oder sonstiger Freibeuter aller Nationalitäten, die die Insel wegen ihres Mastixreichtums heimsuchten. So sind in Mesta Schilder angebracht, die den Eingang und Ausgang aus dem Festungslabyrinth des Dorfes weisen, in das man sich wie einst der Theseus verirrt. Teilweise geht es durch Mauertunnel entlang bis zum Dorfplatz, auf dem eine prachtvolle Kirche steht und wo sich einige Kafeneions angesiedelt haben. Sogar die Telefonyelle ist aus Stein, wie man sehen kann! Immerhin haben wir hier auch ein paar junge Leute gesehen. Die Alten saßen um einen in einem Trog brennenden Baumstamm herum und unterhielten sich. Die kleinen Fenster und Türchen der Häuser trugen ebenfalls zur Festungsatmosphäre bei. Trotz allem mittealterlichem Flair hat aber auch hier die Neuzeit Einzug gehalten: Der einstige Wachturm ist jetzt bewohnt. Auf seinem Dach findet sich eine Satellitenschüssel. Denn wenn man so von der Welt abgeschieden ist, braucht man wenigstens TV!

Und wie sieht jetzt der Norden aus? Davon berichte ich morgen!

Freitag, November 17, 2006

Ila, tu mi mancha!


"When I look up inna ma life it's plain to see
things will never gonna be the same
from now and in all eternity
we keep burnin' up the flame"
(Sean Paul)


Hey little Ila,

Miriam stasi. Miriam klaei. Now I am here in the office on the sunny island of Chios (up to 17 degrees, just to tell my people in Germany) and I already miss you and our masterpieces of Skype-Communications. No more "You give me 3P?", no more "upsing", no more emoticon talk. No more "You know what I tink?" that was always followed by "I tink iu hef problem", no more fun about watermeLLon or Tasos or "You like muscles?"

No more going out with tequILA and Beeriam ("I am not Meriam!"), no more jokes about taramosalata and the dead cockroach in anti-panic-position, no more "Dreamcatcher" and "Vapoorize", no more tsatsiki with papadopoulous crackers in the early morning, no more omelette at BelAir.

Even our Albanians will miss you. I will drink an Amstel with them, saying jamas, chin-chin and Prost (of course!) Then I will go out all alone and attract the strangest people of the island on my own with my little puppet of Sakisrouvas, sit at the bar and pay the greek with the biggest decollete a drink. Then I will tell him he's beauuuuuuuuuuuuutiful and ask him for a kiss or a walk on the port. "I go - Five minutes - you go! Nobody will notice!" And then I will be busy somewhere with someone for sometime. If all this does not help me, I will finally surrender to the old man that is watching me. And then, I swear, I will put my chewing gum in his mouth....hehe!

But there are not only bad things: At least, now I can eat as much Kartoffeln as I like, go sightseeing on the island or even to Lesvos. And when I am sad, I will do the salami di cioccolata and eat all of it and get chocolate-poisoning. And when i finally hef problems wit my elt, I will remember the good old days of the kadaifis and baklavas.

PS: To kaneis?
PPS: S'agapuzza
PPPS: I miss you!

Dienstag, November 14, 2006

Wie es ist...

... in Griechenland zum Friseur zu gehen.

Kritische Blicke in den Spiegel meinerseits verheißen nichts Gutes: Der hausmausgraue Haaransatz in meiner blonden Mähne ist nach zweimonatigem Griechenlandaufenthalt und dreimonatiger Friseurabstinenz nicht mehr zu verleugnen. Doch wem hier kann ich meine Haare anvertrauen? Ich beratschlage mit meinen Kollegen. Kostas jr. ist mein erstes Opfer, denn er hat eine Schwester, die ja wohl auch mal zum Friseur muss. Doch schlechte Neuigkeiten: Sie bevorzugt die Schnibbler von Athen, weil sie dort studiert. Nach dem Angebot, mir seinen Friseur nach Hause zu schicken, was ich freundlich ablehne, gibt er mir den Ratschlag, zu Hairplay zu gehen. Klingt immerhin schon mal Englisch. „Go to Hairplay and they play with your hair!“ Mein Chef findets veeeeeeeeeery funny.

Zeitsprung. Strähnchentime. Der Friseur und seine permanent kaugummikauende Gehilfen arbeiten in Teamwork an meinem Kopf. Sieht aber ganz professionell aus, was die da machen. Beruhigt schließe ich die Augen. Zu meinem Schreck erwache ich auf dem vibrierenden Orgasmusstuhl bei einer Kopfmassage, die sich gewaschen hat – so wie jetzt meine Haare! Wahrscheinlich wollen die mir etwas besonders Gutes tun, aber ich habe einfach nur Angst, das sich die Fingernägel der Kaugummifrau – oder ist es gar das Orgasmotron? – in meine Kopfhaut einboren und ich bald sterben muss. Zum Glück kann ich mich nicht von außen sehen, sonst würde ich vor Scham im Erdboden versinken... Aber irgendwann ist auch das vorbei und so werden meine Haare nur noch mit dem Glätteisen gefoltert. Und wer macht das? Natürlich das irre Mädel, dass wir eines nachts in der Toilette der Satva-Bar getroffen haben und das behauptete, Top-Model zu sein, aber in Wirklichkeit Friseuse griechisch-polnisch-kanadischer Abstammung ist. Mehr Angst! So komme ich mit echten griechischen Locken zurück. Das hat man davon, wenn man sich auf Experimente einlässt. Nun ja, kann ich wieder rauswaschen.

Der Spaß hat mich immerhin einiges weniger gekostet als wenn ich in Deutschland zum Friseur gehe. Dafür habe ich nicht überall, sondern nur mal hier, mal da Strähnen. Da lob ich mir ausnahmsweise mal die deutsche Genauigkeit. Aber vor Silvester muss ich eh wieder unter die Trockenhaube.

Montag, November 13, 2006

Zwischenstand

Mittlerweile ist mein Praktikum hier ja schon zur Hälfte rum. Zeit also für einen kleinen Rückblick. Ich erinner mich noch gut, wie ich vor fast zweieinhalb Monaten noch den Ehrgeiz hatte, richtig Griechisch zu lernen. Als schlug ich hochmotiviert mein PONS-Lehrbuch auf und sah mich in den einzelnen Kapiteln mit zahlreichen Vorurteilen und Klischees über die griechische Kultur konfrontiert. Heute nehme ich mir Zeit für einen kleinen Zwischencheck, um zu sehen, ob da nicht doch ein Funken Wahrheit dran ist.

Klischee Nummer 1: Die Ikonen
Angeblich besitzt jeder Grieche mindestens eine. Bei uns zu Hause bewachen sie uns jedenfalls ganz heftig! Da befindet sich nicht nur eine im Esszimmer, sondern ganz viele in meinem Schlafgemach…Ich hab wohl spezielle geistige Kontrolle nötig! Fazit: Die Griechen lieben ihre Ikonen und somit ist dieses Klischee wahr!

Klischee Nummer 2: Fußball
In meinem Buch hängt der Pope gebannt vor dem Fernseher und beobachtet das Spiel. Er merkt nicht mal, dass Räuber die Ikone aus der Kirche stehlen! Ist Fußball tatsächlich so eine große Sache? Auch hier kann ich nach mehreren Spaziergängen an der Hafenpromenade nur sagen: Es stimmt! Zur abendlichen Champions League-Übertragung treffen sich die Griechen - übrigens NUR die Männer – um Fußball zu gucken und Olympiakos bzw. AEK zu unterstützen. Wir wagten uns übrigens auch mal zu einem Spiel, aber statt Hamburg – Porto kam da nur Lille gegen irgendwelche Griechen… Fazit: Fußballliebe ist wahr!

Klischee Nummer 3: Piraten
Bei einem Spaziergang entlang der Küste erzählt einer der Protagonisten meines Buches dem anderen von den Piraten, die früher die Insel plünderten. Nach ausfürlichen Übersetzungen kann ich nur sagen: Ja, die Seeräuber waren hier permanent unterwegs und die Griechen entwickelten diverse Straegien wie Warntürme oder eine festungsähnliche Häuserbauweise, um sich gegen sie zu verteidigen. Fazit: Wieder wahr!

Donnerstag, November 09, 2006

Mihalis Namenstag!


Wie ich vielleicht des öfteren schon erwähnt habe (ich komme über diesen Schock einfach nicht hinweg), ist der Namenstag hier bedeutender als der Geburtstag. So trafen wir uns am Abend des 8. November, um den Namenstag unseres Kollegen Mihalis im Restaurant „Yantes“ zu feiern. Das ist auch den Chiosnews eine Meldung wert!

Da bleibt mir nicht viel übrig außer zu sagen: Großartig! Leckeres Essen ohne Ende! Und sogar etwas, das Ähnlichkeit mit Leberwurst hatte. Ich persönlich steh aber trotzdem mehr auf das Fleisch in der roten Soße, hmmmm! Und endlich Rembetiko-Musik, da bin ich ja schon die ganze Zeit heiß drauf und nerve sämtliche Leute, mit mir zur Bouzoukia zu gehen. Spreche sogar schon fremde Männer an, damit sie mich mitnehmen. Nur, es will niemand. Aber an dem Abend wurde mein Traum war! Und der Sänger, hmm, eine Augenweide! Oder doch nur ein „griechisches Allerweltsgesicht“? Die Griechen tanzten auf den Tischen und zerschmetterten die Ouzogläser. Für die besten Tänzer (ähemm..) gibts Champagner. Am Ende des Abends hatte unser Chef ein Einsehen mit uns und so mussten wir am nächsten Tag erst um elf zur Arbeit erscheinen. Und nein, ich meine damit nicht, dass wir die Tänzer waren und Champagner getrunken haben. Der Namenstag wurde bloß im Metropolis mit den üblichen Verdächtigen bis drei Uhr nachts fortgesetzt. Ach, war das schön…

Aber warum ist der einzige „watchable man“ gleich mit zwei Frauen da? Warum starrt uns der „Little Adonis“ dauert an? Er will doch nicht etwa mit uns tanzen? Und warum sehen Griechen im Restaurant so aus, als ob sie gleich in die Disko gehen wollen und geben mir das Gefühl, permanent underdressed zu sein?

Fragen über Fragen…
Darüber hätte ich fast den erneut oscarverdächtigen Dialog zwischen mir und dem Barkeeper vergessen. Hochinteressante Gespräche über den Eurpagedanken, kann ich euch sagen! Es begann wie folgt:

Er: „Werder Bremen is my favourite Footballteam!“
Ich (nachdem ich herausgefunden habe, dass er wirklich Werder gesagt hat): „Yes, they are very good!“
Er: „But I don`t like Germany!“

Eigentlich hätte der Dialog hier schon zu Ende sein können. Aber ein guter Journalist fragt immer weiter. Nun hieß es, offene Fragen zu stellen:

Ich: “Why?”
Er: “Because of the German occupation of Chios. My grandfather fought in the war!”
Ich: “Aha…Yes, Hitler, bad people!”
Er: “Yes! But now, all Europe friends!”

Nun wurde die Provokationsstrategie meinerseits eingeleitet:

Ich: “Yes! And Turkey will join Europe!”
Er: “Turkey? No no no, bad bad!”

Pita-Day

Jeder Mittwoch ist Pita-Day! Und so freuen Carina, Ila und ich uns schon darauf, uns mit diesem kalorienhaltigen Imbiss den Magen vollzuschlagen. Die freundliche Griechin, die uns immer bedient, war diesmal jedoch nicht anzutreffen. Stattdessen öffnen wir die Tür zum Aella – best Pita in town – und schon schlägt uns Testosteron entgegen. Ist ja an sich nicht verwunderlich, weil Pita anscheinend eine typische Männerspeise ist. Doch gelegentlich verirren sich auch ein paar Frauen hierher. Nun, heute nicht und so sahen wir uns umzingelt von Männern. Auch die Bedienung war männlich. Normalerweise fragt uns die Griechin immer, ob wir Pita mit Tsatsiki wollen oder nicht. Frauen verzichten hier nämlich für gewöhnlich auf den Gurken-Knoblauchquark. Aber der Machogrieche brachte uns die Dinger ungefragt einfach ohne – staubtrocken, bäh! Kein Wunder, dass die Griechinnen das nie essen. Bei den Männern am Nebentisch spritze der Tsatsiki beim Reinbeißen nur so aus dem Pita. Soviel zur Gleichberechtigung. Demnächst setz ich mich ins Kafeneion, spiel mit meinem Komboloi, trinke Ouzo, esse Knoblauch pur und starre blonden Frauen hinterher. So!

Montag, November 06, 2006

Καλο μινα!


Habe weitere griechische Eigenheiten entdeckt. So wünscht man mit „Kalo mina!“ einen „Guten Monat“. Außerdem vermisse ich die Schokonikoläuse in den Supermärkten und das Weihnachtsgedudel, das in Deutschland bestimmt schon eingesetzt hat. Fehlt hier völlig. Denn nicht nur ist der Namenstag wichtiger als der Geburtstag, sondern Ostern natürlich auch bedeutender als Weihnachten. Außerdem wird hier Weihnachten vom 25. Dezember bis zum 2. Januar gefeiert. Und im Supermarkt laufen statt Weihnachtsliedern entweder Chillout oder Discomucke á la 50 Cent.

Kalt genug für Weihnachten ist es ja mittlerweile. Meinen Mantel, von dem ich dachte, ich bräuchte ihn nur die paar Meter wenn ich aus der Olympic steige und in Frankfurt ankomme, habe ich umfunktioniert. Ich machs jetzt wie alte Leute, die immer eine karierte Decke auf dem Schoß haben. Nur statt Decke halt den Mantel. Und im Büro haben wir keine Heizung. Dafür aber einen Heizkörper. Warums immer noch kalt ist? „Ach, wir haben den ausgeschaltet, weil er so komische Geräusche gemacht hat!“ Leute, das ist das Heizungswasser!!!

Ja, typisch deutsches Gemecker... Dabei kann ich noch froh sein. In den Nachrichten habe ich gesehen, dass es auf dem Festland heftig schneit und in der Türkei alles überflutet ist. Und immerhin kann ich die Kälte als prima Entschuldigung für Shoppingtrips gebrauchen. Brauch schließlich ein paar dicke Pullis!

PS: Habe auch Gelüste nach Leberwurstbrot mit Gewürzgurken und Kartoffelsalat mit Würstchen. Ist das ein verspäteter Kulturschock?

PPS: Für die Visuellen unter euch - es gibt neue Bilder auf flickr von meinem Sonntagsspaziergang im November

Freitag, November 03, 2006

Andere Länder, andere Sitten


Hier seht ihr ein Spielzeug, dass ich euch nicht vorenthalten wollte: das griechische Pendant zu unserem Ken! Vor der Abreise werde ich ihn natürlich kaufen und daheim mit einer meiner Barbies verheiraten.

Mittwoch, November 01, 2006

Pink Flamingo


Und hier ein weiteres Beispiel aus dem Übersetzungen, dass uns keine Ruhe lässt: der Flamingo! In einem Park auf Lesbos hat er ein neues Zuhause gefunden:

“Worth noting is the pink flamingo, famous for its beauty and the vibrant colours of its plumage. The flamingo is a high wading bird, with long pink legs, pink feathers, a long neck and a head and a beak of peculiar shape.”

Der Text berichtet also vor allem davon, dass der pinke Flamingo ein pinker Vogel ist, der pinke Beine und ein pinkes Gefieder hat. Ich persönlich bin ja ein Fan von allem, was pink ist.

Pink is my favourite colour
Die ganz Schlauen wissen natürlich, dass der Flamingo von sich aus gar nicht pink ist. Nein! Das kommt nur daher, dass er sich von pinken Krebsen oder was weiß ich ernährt. Denkt ihr! In Griechenland ernährt sich der Flamingo nämlich von Ταραμοσαλάτα (Taramosalata), einer salzigen pinken Paste aus Fischrogen, die wir in einem Anfall von geistiger Umnachtung im Supermarkt gekauft haben. Das ist jetzt ca. 2 Monate her und die Packung ist immer noch halbvoll. Aber wenn Ilaria weiter an ihren Fingernägeln kaut, muss sie zur Strafe den ganzen Taramosalata essen – mit einem großen Löffel, ohne Papadopoulous-Cracker und während ich sie dabei genauestens beobachte!

PS: Übrigens gibt es hier einen griechischen Hit, in dessen Refrain wir ziemlich genau die Worte „Pink Flamingo“ erkennen!

PPS: Mit dem Taramosalata ist es wie mit der toten Kakerlake im Junkroom, die in der Anti-Panik-Position unter dem Sofa liegt. Oder wie mit dem Baguette, dass wir eingefroren und dann nicht mehr angerührt haben. Wenn es nicht mehr da wäre, würden wir es vermissen. Nichtsdestotrotz haben wir den Taramosalata jetzt entsorgt.